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Optionen einer ganzheitlichen Krebstherapie -
Integrative Medizin in Diagnostik und Therapie.

 

Bericht zum Krebskongress der Österreichischen Gesellschaft für Onkologie am 2.4.2011 im Kavalierhaus Klessheim/Salzburg

 

 „Ganzheitlich“ heißt für die Initiatoren des Kongresses,  konventionelle Konzepte in der Onkologie um komplementäre Protokolle in der Diagnostik und Therapie zu ergänzen. „Ganzheitliche  Medizin“ ist nicht zuletzt individualisierte Medizin und erfordert für jeden einzelnen Patienten persönlich zugeschnittene Konzepte und  Lösungen  in der Therapie seiner Krebserkrankungen zu finden.

Komplementärmedizin stützt sich auf Wissen, das in der Schulmedizin erworben und mit integrativen Maßnahmen zum Wohle des Patienten erweitert wird, so  B. Kuklinski aus Rostok im Rahmen seines Vortrags über nitrosativen Stress zu den Möglichkeiten ganzheitlicher Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen. Onkologische Standardtherapien können begleitend unterstützt werden, um Nebenwirkungen zu verringern, den Allgemeinzustand und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern und unter Umstanden sogar seine Lebenszeit zu verlängern. 

Eine  umfassende  Anamnese (Krankheitsgeschichte) liefert  gerade  bei onkologischen Patienten sehr wichtige Hinweise  über die möglichen Ursachen der Erkrankung und über Optionen für  ganzheitliche Behandlungsstrategien.

W. Surböck aus Mariazell  hat im Einleitungsvortrag diese  ausführliche Anamnese  über die  heute  bereits bekannten Krebsursachen hinweg dargestellt.  Neben den rationalen und labormäßig erfassbaren Krebsursachen und Schäden durch exogene und endogen Einflüsse hat Surböck die heute vorhanden Therapiemöglichkeiten aufgezeigt um diese Einflüsse zu neutralisieren bzw. auszuschalten. Wer nur in der eigenen Disziplin zu Hause ist, und nicht über den Tellerrand blickt, läuft Gefahr, einfache, wirksame und oft auch preiswerte Behandlungsmöglichkeiten zu übersehen, wie Dr. Kuklinski dies am Beispiel der Behandlung von bestimmten Stoffwechselerkrankungen, die mit nitrosativem Stress assoziiert sind, durch die ergänzende Gabe von Vitamin B12 demonstrierte.

Die Österreichische Gesellschaft für Onkologie hat ein  „ Allgemeines Protokoll  einer ganzheitlichen onkologischen Therapie“ entwickelt und empfiehlt dieses neben den konventionellen Protokollen anzuwenden, so der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Onkologie (ÖGO, www.oego.or.at), W. Köstler aus Wien, Vorsitzender des Seminarkongress in Klessheim.

Da jede einzelne Krebserkrankung vom molekularen Standpunkt einzigartig ist, und  kein Krebs auf der Welt von Seiten der genetischen Ausstattung exakt wie ein anderer ist,  ist eine höchst  individuelle Behandlungsstrategie erforderlich.

Krebserkrankungen haben jedoch wichtige Gemeinsamkeiten  die in die diagnostischen und therapeutischen Konzepte eingebaut werden sollten, um die therapeutischen Ergebnisse für den einzelnen Krebspatienten zu verbessern.  

Oxidativer Stress“, „Nitrosativer Stress“, sowie chronisch entzündliche Prozesse finden sich bei praktisch allen Krebspatienten als Auslöser ihrer Krankheit und werden durch bestimmte Maßnahmen noch verstärkt.Oxidativer Stress bezeichnet einenn Zustand im Patienten, bei der es zu einer schädlichen Vermehrung freier Sauerstoffradikale im gesamten Organismus kommt. Dadurch werden  die Reparaturmechanismen und die Entgiftungsfunktionen von Zellen überfordert. Das kann in weiterer Folge die Entstehung verschiedener  Krankheiten bis hin zu Krebs begünstigen, wie J.Greilberger vom Institut für physiologische Chemie der Universität Graz  in seinem Vortrag  ausführte.  

Nitrosativer Stress, der immer gemeinsam mit  oxidativem Stress auftritt, ist gekennzeichnet durch  eine vermehrten Bildung von reaktiven Stickstoff-Sauerstoffverbindungen , vor allem Stickstoffmonoxid (NO). B. Kuklinski,aus Rostok zeigte, wie  nitrosativer Stress eine Schädigung der Mitochondrienfunktion in den Zellen neben zahlreichen Erkrankungen auch die Entstehung von Krebserkrankungen begünstigen kann.  

G. Stoll aus Filderstadt (D)  präsentierte anhand eindrucksvoller Beispiel die Rolle  chronisch entzündlicher Prozesse, die als Folge von Infektionen, Parasitenbefall oder Fehlernährung oft an der Entstehung von Krebs maßgeblich beteiligt sein können. Stoll zeigt, daß das Spurenelement Selen aufgrund seiner Wirkmechanismen im menschlichen Organismus im Stande ist, bei der Therapie chronischer Entzündungen effektiv und nebenwirkungsfrei eingesetzt zu werden. 

Eine der  Gemeinsamkeiten von Krebszellen findet man in der Umstellung des Zellstoffwechsels von der Verbrennung der Nahrungsstoffe mit Sauerstoff auf Energiegewinnung durch Gärung (Fermentation) so W. Köstler.  Ist diese Umstellung erfolgt, dann lebt die Krebszelle in erster Linie vom Zucker ( Glucose). Da derzeit noch nicht für alle Karzinome effektive zielgerichtete Therapien verfügbar sind, macht es Sinn, die gemeinsamen Eigenschaften aller Karzinome zu analysieren und diese Erkenntnisse therapeutisch umzusetzen: zu diesen gemeinsamen Eigenschaften gehören chronische Infektionen, chronische Entzündungen, eine gestörte Immunfunktion, reduzierte Entgiftungsmechaismen, ein  Übersäuerung des Bindegewebes und oxidativer sowie nitrosativer Stress beim Patienten. Köstler wies auf die zentrale Rolle der Mitochondrien im Krebsgeschehen hin und zeigte, wie z.B. durch DCA die Krebszellen im Wege der  Reaktivierung ihrer Mitochondrien wieder die Möglichkeit bekommen, in den programmierten Zelltod (Apotose) zu gehen, was ein Schrumpfen der Tumoren bedeutet.

Köstler stellte auch das Protokoll einer „onkologischen Basistherapie“ vor, das  Detoxifikation, antinfektiöse Therapien, antiinflammatorische Therapien, antioxidative Therapien, Supplementation, Immunmodulation, Hormonmodulation, Ernährungstherapie, Modulation des Säure Basen Haushaltes, physikalische Therapien und psychoonkologische Maßnahmen enthält und in allen Phasen einer Krebserkrankung, im Besonderen aber in der perioperativen Zeit zur Anwendung kommen sollte, um Rezidive und Metastasen zu verhindern. Die Verhinderung von Rezidiven und Metastasen ist in den Augen Köstlers eines der wichtigsten Ziele  jeder onkologischen Therapie. 

Eine besonders wirksame Anwendung der Strahlentherapie  in der Brustkrebsbehandlung stellte G. Fastner vom Institut für Radiotherapie und Radionkologie (Leiter Prof. Dr. F. Sedlmayer) der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg  auf diesem Kongress  mit der  intraoperativen Radiotherapie (IORT) von Mammakarzinomen vor. Hier wird kurz nach der Entfernung eines  bösartigen Brusttumors ein sogenannter „Boost“, also eine einmalig höhere Strahlendosis auf das Brustgewebe, um den entfernten Tumor herum, in die offene Wunde gegeben. Mit dieser intraoperativen Strahlentherapie können die Salzburger Mediziner aufsehenerregende Erfolge in der Verhinderung von Lokalrezidiven (neuerliches Auftreten von Karzinomen in unmittelbarer Nähe des entfernten Karzinoms) vorweisen.

In einem noch unveröffentlichten Update einer Matched-Pair-Analyse -, also eines Vergleiches der mit IOERT behandelten Patientinnen im Vergleich zur Standardbehandlung, zeigten sich auch nach einer mittleren Nachbeobachtung von 10 Jahren im  intraoperativ bestrahlten Patientenkollektiv, signifikant weniger Lokalrezidive als in der nach derzeitigem „Goldstandard“ behandelten Vergleichsgruppe. 

Die derzeit wichtigste Maßnahme für die Weiterentwicklung integrativer Medizin sieht S. Glück darin, die Rolle der Komplementärmedizin in der evidenzbasierte Medizin zu integrieren. Glück vertritt die Ansicht, dass  es  wichtig, ist die wissenschaftliche Erforschung komplementärer Methoden  auch in der Krebstherapie weiter voranzutreiben, darin sieht  sie auch eine fundamentale Aufgabe der Österreichischen Gesellschaft für Komplementärmedizin, deren Obfrau sie derzeit ist. Es sei notwendig, so Glück, die Kräfte zu bündeln, die in vielen komplementärmedizinischen Gesellschaften und Einzelinitiativen, sowie Universitätsinstituten schon wirksam sind, in denen oft hervorragende Arbeit geleistet wird. S. Glück hat an der Paracelsus Universität Salzburg eine Studie mit Brustkrebspatientinnendurchgeführt,  die zusätzlich zur antihormonellen Therapie täglich  200 mcg Selen (Natriumselenit)  durch 6 Monate hindurch zur oralen Einnahme bekamen. Glück  fand in dieser Studie heraus, dass nach Operation, Strahlentherapie, Chemotherapie aber auch unter antihormeller Therapie bei allen Brustkrebspatientinnen ein Selenmangel auftritt und folglich eine reduzierte Entgiftungskapazität gegenüber oxidativem Stress. Brustkrebspatientinnen haben demnach auch unter der scheinbar unproblematischen antihormonellen Therapie ein Selendefizit, aus dem sie ohne Substitution auch nach Monaten noch nicht herauskommen. Weiter zeigte die Studie auf,  so S. Glück, dass zur Verstärkung der positiven Effekte einer zusätzlichen Selengabe mit  höheren Dosen von 500mcg pro Tag der täglichen Selenzufuhr erforderlich wäre, so die Analyse der Studienergebnisse. Selen ist schließlich für diverse Repairmechanismen (auch DNA-Reparatur), für das Hormonsystem und für das Immunsystem, sowie das antioxidative Schutzsystem enorm wichtig.

Ganzheitlicher Protokolle für die Diagnostik und Therapie bei onkologischen Patienten, wie sie von W. Köstler vorgeschlagen werden, sind nur dann  im täglichen Betrieb umsetzbar,  wenn es eine Integration  in konventionelle onkologische Protokolle gibt,  mit dem Ziel, alle Optionen  für den Patienten  durch  gute  Zusammenarbeit  und Offenheit zwischen den Vertretern einzelner Therapierichtungen zu ermöglichen.  

W. Surböck zeigte in seinem zweiten Vortrag die  körperlichen und pathologischen Auswirkungen von mentalem Dauerstress auf den Menschen auf, der über langdauernden oxidativen und nitrosativen Stress die Entstehung von Karzinomen begünstigen kann. 

Ein offener wissenschaftlicher Diskurs im Sinne der PatientInnen wird der ÖGO – Österreichischen Gesellschaft für Onkologie  auch ein in der Zukunft ein Anliegen sein. Die Integrationen von Patienteninformationsveranstaltungen, sowie die  Kooperation mit anderen Institutionen und Gesellschaften, wie z.B. der ÖKOM ( Österreichische Gesellschaft für Komplementäre Medizin) schafft sinnvolle Synergien um das Wissen um die Optionen einer ganzheitlichen Krebstherapie sowohl für Mediziner als auch für Betroffene rascher bekannt zu machen.

Die Vision der ganzheitlichen Krebstherapie besteht in der Erlangung der Tumorfreiheit, bzw. in der Verlängerung der Überlebenszeit eines an einem bösartigen Tumor erkrankten Menschen bei guter Lebensqualität. Unter ganzheitlicher Diagnostik und Therapie bei Krebserkrankungen versteht man die Erweiterung konventioneller Protokolle durch bioimmunologische Maßnahmen zur Unterstützung tumordestruktiver Interventionen (Chirurgie, Chemo-, Strahlentherapie), sowie Therapien, die konventionelle Protokolle verstärken und/oder deren Nebenwirkungen abmildern, bzw. helfen Rezidive und Metastasen zu verhindern. 

Das Interesse an integrativen Konzepten in der Onkologie ist sowohl bei Ärzten wie auch Patienten enorm gross. Die ÖGO – Österreichische Gesellschaft für Onkologie plant die Reihe ihrer Fortbildungsveranstaltungen und Kongresse auch in Zukunft weiter fortzusetzen.

 

Österreichische Gesellschaft für Onkologie

Sofienalpenstrasse 17, 1140 Wien

E-Mail: info@oego.or.at

Tel: 0664 58 83 290